Es müssen nicht immer 100% sein

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Menschen, gar nicht erst mit einer Sache anfangen oder Dinge gar nicht erst versuchen, weil sie das Gefühl haben, dass sie sich sofort zu 100% verpflichten müssen. Jeden Tag Training? Ne das schaffe ich eh nicht, dann lass ich es von vornherein. Komplett vegan? Will ich nicht, also ist es mir auch weiterhin egal, was ich esse.

Viele Leute sehen nur schwarz oder weiß, sobald etwas nicht sofort funktioniert und keine drastische Veränderung auftritt, fühlt man sich wie ein Versager.

Aber so ist es überhaupt nicht. Ich habe den allergrößten Respekt vor Leuten, die ohne wenn und aber hinter einer Sache stehen.

Trotzdem helfen auch kleine Schritte. Einem selbst und auch der Umwelt. Nehmen wir das Beispiel Sport und Bewegung.

Anstatt sich einen 6-Tage-Trainingsplan zu erstellen, fang so klein an, wie es für dich locker machbar erscheint. 4 mal die Woche Sport? Hört sich das immer noch zu viel an, dann mach doch jeden Tag 10 Minuten, oder ein mal die Woche eine Stunde.

Ich kann versprechen, dass es sich bei den allermeisten dahin gehend entwickelt, dass allein die Tatsache, dass man sich aufrafft und seinem Körper 10 Minuten etwas gutes tut, dazu führt, dass aus den 10 Minuten, vollkommen automatisch 15 werden.

Ein weiterer Effekt, der sich mit Sicherheit einschleichen wird, ist, dass man einfach stolz auf sich ist, dass man es ein mal gemacht und diese eine einzige Mal wird dazu führen, dass man es am nächsten Tag wieder macht. Klingt immer noch nicht überzeugend? Dann probiert es aus. Ein mal 10 Minuten. Mehr nicht. Sucht euch etwas aus, das euch Spaß macht. Vielleicht ein mal um den Block laufen, zu eurem Lieblingslied tanzen, Körpergewichtsübungen, Schattenboxen, ganz egal. Und ich kann empfehlen sich nicht festzulegen. Denkt nicht, dass ihr nicht der Typ für etwas seid. 22 Jahre meines Lebens war ich absolut überzeugt davon, dass ich definitiv nicht der Typ fürs Gewichteheben bin. Jetzt gibt es für mich kaum etwas Schöneres.  Bei mir persönlich hat es so angefangen:

Wie bereits erwähnt, habe ich im Zimmer meiner Brüder, mit ihren Gewichten, angefangen. Ich musste also nur die Treppe hoch. Und das ist auch ein Punkt. Macht es euch so einfach und bequem wie möglich. Legt euch eure Sportklamotten schon am Abend vorher raus. Macht ihr etwas mit Equipment zu Hause, legt es euch ebenfalls vorher raus. Stellt euch eure Flasche hin. Das alles wieder wegzuräumen oder dran vorbeizugehen, wird viel mehr Anstrengung kosten als die 10 Minuten Bewegung zu investieren und zu wissen, dass man sich nachher nur besser fühlen kann.

Ich hab mit einem Ganzkörperplan, erstellt von meinen Brüdern natürlich, 2 bis 3 mal die Woche à eine halbe bis ganze Stunde angefangen. Ich konnte es in meinen Tagesablauf einbauen, wann ich wollte. Habt ihr keine Brüder, die euch an die Hand nehmen, dann Leute, schaut auf YouTube vorbei. Dort findet ihr mittlerweile ALLES. Von 30-Day Yoga-Challenges, über Tanzworkouts bis hin zu Homeworkouts mit Körpergewicht oder mit Alltagsgegenständen.

Auf jeden Fall habe ich mich nach meinem ersten Training gefühlt wie Hulk. Es war etwas so anderes als das was ich sonst gemacht habe und ich bekam sofort Lust auf mehr. 2 Mal die Woche wurde mir schnell zu wenig, also stieg ich auf einen Oberkörper-/Unterkörperplan um, bei dem ich 2 Tage trainiert und einen regeneriert habe. Das alles passierte im Mai 2016 und als ich dann im Oktober’16 wieder nach Berlin zog, habe ich mich sofort im Fitnessstudio angemeldet und aus anfangs 2 mal die Woche wurde 6 mal die Woche. Aber nicht, weil ich unbedingt diszipliniert dran bleiben wollte oder weil ich mir etwas beweisen wollte. Sondern einfach weil ich eine so krasse Freude daran hatte und habe.

Ein anderer Tipp, den ich geben kann, ist es sich jeden Tag kurz Zeit zu nehmen, um seinen Kopf frei zu machen und im Moment anzukommen.

Mit kurz meine ich anderthalb Minuten. Es ist absolut nicht notwendig sofort eine Stunde lang zu meditieren. Natürlich ist es absolut genial, wenn man das schafft, aber ich persönlich bin beispielsweise noch nicht so weit. Und anderthalb Minuten, könnt ihr euch jeden Tag nehmen. Ich wüsste wirklich kein Argument, dass rechtfertigen kann, keine anderthalb Minuten zu haben. Oder?

Setzt euch kurz aufrecht hin, schaut euch um, stellt euch die Frage, wo ihr gerade seid, wie ihr euch fühlt, macht die Augen zu und fangt an eure Atemzüge zu zählen. Alles ohne zu bewerten. Weder euren Atem, noch euren Gefühlszustand. Einfach nur wahrnehmen. (Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass selbst so kurze Meditationszustände, neuronale Strukturen verändern. Sollten euch solche Studien interessieren, lasst es mich wissen und ich suche euch welche raus und sage etwas dazu)

Meiner subjektiven Meinung nach, steht emotionales Empfinden in einer ständigen Wechselwirkung mit dem körperlichen Empfinden, noch viel stärker als wir annehmen. Und ich glaube, dass es vielen Menschen emotional besser gehen würde, wenn sie ihren Körper mit mehr Respekt behandeln würden. Sich mehr bewegen und über ihre Ernährung nachdenken würden. Und auch hier meine ich nicht, dass es für jeden Menschen das Beste ist, ein Superfitnessleben mit einer komplett durchdachten Ernährung zu führen. Kein bisschen. Auch hier will ich behaupten, dass es ganz kleine Veränderungen sind, die schon einen riesigen Effekt haben können. Es geht auch nicht im Geringsten darum auf Dinge irgendwelcher Art zu verzichten, sondern einfach mal in eine andere Richtung zu schauen.

Weder will ich für noch gegen eine Ernährungsweise plädieren. Doch es gibt Fakten, die sich nicht bestreiten lassen. Beispielsweise, dass unser Körper eine bestimmte Menge an Fett und Proteinen dringend benötigt oder dass man im Kaloriendefizit abnimmt und im Kalorienüberschuss zunimmt. Jede Art von „Diät“ basiert erst einmal auf diesem Prinzip. Diese Erkenntnis alleine, kann bereits vielen Menschen helfen, die nur Misserfolge mit irgendwelchen Zeitschriftendiäten hatten. Ein Gefühl für Kaloriendichte kann auch schon großes bewirken. Eine populäre Art von Instagrampost ist es zur Zeit, zu zeigen wie es sich mit den Kalorien von 100 gr Nüssen zu 100 gr Brokkoli verhält. Oder auch von 10 gr Nüssen auf einem Löffel, die genau so viel aussehen wie 30 gr Nüsse, dann aber statt 58 Kalorien 175 Kalorien haben. Ach da gibt es tausende von Beiträgen. Jedenfalls schadet es nicht, wenn man ab- oder zunehmen möchte, mal zu schauen, wie es sich mit der Kaloriendichte, der Lebensmittel verhält, die man täglich zu sich nimmt. Ehrlich gesagt, ist dies, wenn man ein Ziel (Abnehmen, Zunehmen, Muskeln aufbauen) verfolgt, essentiell.

Ich persönlich, und das ist noch nicht lange so, ernähre mich hauptsächlich pflanzlich. Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, hätte ich ihn wahrscheinlich einfach nur ausgelacht. Vielleicht hätte ich sogar noch gesagt, dass ich dann tausend Mängel hätte, nicht auf meine Proteine kommen würde und keine Ökotante bin.

Was ist passiert? Ich habe angefangen, Rezepte auszuprobieren, die ohne tierische Produkte auskommen, weil sie zufällig auf einem Blog waren, der mir gefiel. Das nächste was passierte, war ganz simpel, dass es mir extrem geschmeckt hat. Es ist nicht so, dass ich es mir vorher nicht bewusst war, dass es Dinge wie Massentierhaltung gibt, aber plötzlich habe ich genauer darüber nachgedacht. Und über meine Argumente, warum ich dieses Fleisch kaufe und esse. Weil es zu teuer ist, Fleisch zu kaufen, dass aus „besseren Bedingungen“ stammt. Weil es zu anstrengend ist, seinen Proteinbedarf über pflanzliche Quellen zu decken. Weil mir Mikronährstoffe fehlen, wenn ich es nicht tue. Und einfach, weil ich noch nie wirklich bewusst darüber nachgedacht habe. Wie ich schon mal erwähnt habe, stehen oft Welten zwischen Dingen die man weiß und Dingen, über die man sich bewusst ist. Ja, es ist teuer sich „gutes“ Fleisch zu kaufen. Und ich meine hier definitiv kein Fleisch, dass das Biosiegel trägt. Die Normen, die man erfüllen muss, um dieses Siegel zu bekommen, sind ein Witz. Hier handelt es sich immer noch um Massentierhaltung und gut geht es den Tieren ganz sicher immer noch nicht. Das erste, was ich gemacht habe, war es festzulegen, dass ich einen Tag in der Woche habe, an dem ich nur pflanzliche Lebensmittel konsumiere. Leute, wisst ihr wie viel ein Tag schon ausmacht? Hier ist ein kleines Beispiel, was ein Tag bewirkt:

Ihr spart 1.100 Gallonen Wasser, 18 kg Getreide, 3 qm² Regenwald und ein Tierleben. (Wenn ihr noch mehr mit solchen Zahlen rumspielen wollt, hier ist ein Link: http://thevegancalculator.com/#calculator )

Es ist ein einziger Tag. Jedes Mal, wenn ihr euch gegen ein tierisches Lebensmittel entscheidet, hat es bereits große Auswirkungen. Jedes einzelne Mal. Und dafür muss man weder zum Veganer werden, noch zum Vegetarier. Wozu hat dieser einer Tag in der Woche bei mir geführt? Dass ich neue Rezepte ausprobiert habe und festgestellt habe, wie lecker pflanzliche Küche ist. Und wie proteinreich sie sein kann. Also ist Proteine reinbekommen, auch kein Problem mehr. Was ist mit den Mikronährstoffen? Da ich sowieso einige Mikronährstoffe supplementiere, habe ich geschaut, was eventuell fehlen könnte und es ergänzt. Wie sieht meine Ernährung denn jetzt aus?

Ich esse, wie gesagt, hauptsächlich pflanzlich. Viel öfter mittlerweile als ein mal die Woche. Trotzdem esse ich auch mal Magerquark oder trinke Milch. Und trotzdem esse ich auch mal Fleisch. Ich selbst kaufe es aber nicht mehr im Supermarkt, sondern bei Kumpel&Keule, in der Markthalle 9, in Kreuzberg. Bis jetzt, sind sie für mich, die überzeugendste Quelle für „gutes“ Fleisch. Vielleicht hilft es auch mal, in Relation zu setzen, wie viel Geld man für Supplements, wie Proteinpulver etc ausgibt, um über die Geldfrage nachzudenken. Trotzdem ist es ganz klar, dass sich dieses Fleisch nicht jeder Mensch leisten kann. Und ich will auch nicht sagen, hört auf Fleisch zu essen. Das einzige, was ich will, ist es zu zeigen, wie viel kleine Änderungen bewirken können. Sich einfach nur bewusst darüber werden, dass es sich um ein Lebewesen handelt und nicht um ein „Produkt“.

Und ich habe auch kein Problem damit, dass jetzt weder die überzeugten Meatlover, noch die 100 % Veganer zufrieden sind.

Kleine Änderungen sind besser als keine und kleine Schritte führen nach vorne, wohingegen keine Schritte zu Zerstörung führen können. An eurer Gesundheit und an unserem Lebensraum.

Ein Gedanke zu &8222;Es müssen nicht immer 100% sein&8220;

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