Ja, ich bin widersprüchlich.

Ganz oder Gar Nicht?!

Es gab eine Zeit, da hab ich genau nach diesem Motto gelebt.

Widerspruchslosigkeit

Unbedingt einhalten, sonst geht die Authentizität verloren.

Ich kann mich nach wie vor in diese Sichtweisen hineinversetzen, teile sie aber nicht mehr. Weil mich genau diese beiden Glaubenssätze so oft davon abgehalten haben, irgendetwas anzufangen oder etwas zu tun.

  • „Ich kann die Umwelt sowieso nicht retten, dann brauche ich auch gar nicht erst anfangen, eine eigene Tüte mit mir rumzuschleppen.“
  • „Vegan werden will ich nicht, also ändere ich auch nichts an meiner Lebensmittelauswahl.“
  • „6 mal die Woche ins Gym?! Nie im Leben, also werde ich mich auch weiterhin nicht bewegen.“
  • „Wenn ich einen Burger esse, ernähre ich mich nicht mehr clean, also versuche ich gar nicht erst nährstoffreichere Lebensmittel in meine Ernährung zu integrieren.“
  • „Ein Business gründen und ein guter Mensch sein. Das passt nicht zusammen, also versuche ich nichts von beidem.“
  • „Food Challenges und Mindful Eating widersprechen sich. Ich mache nichts von beidem, weil andere Menschen das sicher angreifen werden.“
  • „Ich schaffe es eh nicht Minimalist zu sein. Warum sollte ich dann ausmisten?!“
  • „Wissenschaftlerin sein und Social Media machen passt nicht zusammen. Man wird weder auf der einen noch auf der anderen Seite ernst genommen. Dann lieber beides sein lassen.“
  • „Coffee2go-Pappbecher meiden, aber sich ein Auto wünschen? Widerspruch, entscheide dich.“

Jeden dieser Gedanken hatte oder habe ich immer noch hin und wieder. Mittlerweile schreibe ich diesen Gedanken aber keinen so großen Wert mehr zu. Dann mache ich eben einen Schritt zurück und zwei Schritte vor. Und das muss ich nur mit mir selbst vereinbaren können. Ich persönliche halte Menschen für widersprüchliche Wesen und ich denke auch, dass es okay ist, Widersprüche zuzulassen. Ich denke auch, dass nur weil man nicht in ein bestimmtes Image oder eine gesellschaftlich anerkannte Entität passt, das nicht bedeutet, dass man sich überhaupt nicht auf dem Terrain befinden darf und schon gar nicht darüber reden sollte.

Ich glaube aber, dass wenn man sich auf den Weg begibt, sich so viele erfüllende Erfahrungen ergeben können. Vielleicht will man sich sogar plötzlich auf die „Ganz“ der „Ganz oder Gar nicht“-Seite begeben. Möglicherweise lösen sich Widersprüche auf. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht bleiben es kleine Schritte, vielleicht bleibt es widersprüchlich. Vielleicht will ich die vegane Currywurst mit Mayo essen. Und das ist nicht unlogisch. Sondern es ist einfach. 

Ich habe für mich entschieden mit kleinen Schritten und mit Widersprüchen zu leben. Ich erkenne an, dass sie existieren. Aber sie werden mich nicht aufhalten, Dinge zu tun, die ich tun will. Und das wiederum bedeutet nicht, dass ich mich Kritik gegenüber verschließe. 

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